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Thesaurierend oder ausschüttend bei ETFs – Was ist besser?

Thesaurierender oder ausschüttender ETF – für welchen soll ich mich entscheiden? Eine Frage, die man sich immer stellt, bevor man einen ETF kauft. In diesem Artikel schauen wir uns an, welche Vor- und Nachteile beide Formen haben und ob es die eine richtige Antwort für jeden von uns auf diese Frage gibt.

ETF thesaurierend oder ausschüttend

Thesaurierend vs. ausschüttend – Was ist der Unterschied?

Doch zuerst schauen wir uns an, was thesaurierende und ausschüttende Fonds überhaupt sind. Dafür ist es wichtig zu wissen, dass ein ETF ein Korb ist, der verschiedene Aktien enthält. In aller Regel sind in diesem Korb Aktien von Unternehmen, die eine Dividende ausschütten sowie von Firmen, die keine Dividende zahlen. Im S&P 500 schütten beispielsweise über 75 % der enthaltenen Unternehmen eine Dividende aus. Zu den Nicht-Zahlern gehören bekannte Unternehmen wie z.B. Tesla, Facebook oder auch Amazon.

Die ausgezahlte Dividende der einzelnen Aktien geht dann an den ETF. Und hier kommen wir zum Unterschied zwischen thesaurierenden und ausschüttenden Fonds. Während ein ausschüttender ETF die Dividenden sammelt, um sie zu einem Stichtag an euch auszuzahlen, reinvestiert ein thesaurierender ETF die Auszahlungen in neue Aktien. Im Klartext heißt das: Bei ausschüttenden ETFs bekommt ihr eine regelmäßige Zahlung auf euer Verrechnungskonto. Bei thesaurierenden ETFs wächst das Fondsvermögen, weil neue Aktien gekauft werden. Es geht also nur darum, was der Fonds mit den Ausschüttungen macht.

Bitte beachtet: Nur weil euer ETF Aktien beinhaltet, die eine Dividende ausschütten, bedeutet das nicht, dass diese auch an euch weitergeleitet werden. Es kommt nämlich darauf an, für welche Art der Ertragsverwendung ihr euch entschieden habt. Das erkennt ihr meist schon den Kürzeln im Namen des ETFs. Dabei steht

  • „Acc.“ für accumulating (thesaurierend)
  • „Dis.“ für distributing (ausschüttend)

Wofür die anderen Abkürzungen im Namen eines ETFs stehen, lest ihr in meinem Artikel über die wichtigsten Begriffe, die du vor dem ETF-Kauf kennen musst.

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Thesaurierend oder ausschüttend – Was ist besser?

Wir wissen jetzt, dass ausschüttende ETFs ihre Dividenden an uns „weiterleiten“, während Thesaurier mit dem Geld neue Aktien kaufen. Doch welche Art der Ertragsverwendung ist besser? Daran, dass es beide Versionen gibt, kann man schon erkennen, dass es darauf keine eindeutige Antwort gibt. Deswegen schauen wir uns einmal die Vorteile beider Varianten an. Sie sind gleichzeitig die Nachteile der jeweils anderen Ertragsverwendungsart.

Vorteile von thesaurierenden ETFs

Die Dividenden werden in thesaurierenden ETFs automatisch wieder angelegt. Ohne, dass ihr dafür etwas machen müsst. Dadurch spart ihr neben wertvoller Zeit auch eine Menge an Transaktionskosten. Nicht ihr kauft die neuen Aktien, sondern der Fonds. Dieser hat in der Regel bessere Einkaufskonditionen als wir Privatanleger – gerade bei großen Summen. Durch die automatische Wiederanlage profitiert ihr außerdem vom Zinseszinseffekt, da eure reinvestierten Gewinne nun auch für euch arbeiten. Außerdem zahlt ihr zurzeit für thesaurierende Fonds nur eine kleine Vorabpauschale an Steuern. Der Großteil an Steuern fällt erst beim Verkauf an. Daher profitiert ihr bei langer Haltedauer eurer ETF-Anteile vom Steuerstundungseffekt.

Die Vorteile von thesaurierenden ETFs im Überblick:

  • Automatische Wiederanlage
  • Transaktionskosten sparen
  • Zinseszinseffekt
  • Weniger zeitaufwendig
  • Steuerstundungseffekt

Vorteile von ausschüttenden ETFs

Bei einem ausschüttenden ETF werden die Dividenden im Gegensatz zum thesaurierenden Fonds nicht sofort wieder reinvestiert, sondern ihr bekommt die Ausschüttungen regelmäßig auf euer Verrechnungskonto gutgeschrieben. Somit könnt ihr frei entscheiden, was ihr mit diesem Geldregen anfangen möchtet. Ob shoppen gehen, ein Eis essen oder reinvestieren – ihr habt die Wahl. Wollt ihr die Erträge wieder investieren, seid ihr auch hier nicht an etwas gebunden. Ihr könnt die Ausschüttungen in denselben ETF stecken, von dem ihr sie bekommen habt, oder aber in ein ganz anderes Produkt. Eventuell möchtet ihr gar die Anlageklasse wechseln und die Dividenden in Gold investieren. So könnt ihr euer Vermögen mithilfe der Ausschüttungen weiter diversifizieren. Warum eine gute Diversifikation wichtig ist, lest ihr in meinem Artikel über die Asset Allocation.

Durch ausschüttende ETFs könnt ihr euch außerdem einen stetigen Geldfluss aufbauen und damit eure Liquidität steuern. Dabei habt ihr die Wahl zwischen Fonds, die monatlich, quartalsweise oder einmal im Jahr ausschütten. Leider gibt es nicht für jeden Index alle Ausschüttungs-Zyklen. Sobald ihr allerdings Ausschüttungen erhaltet, fallen in der Regel auch Steuern an. Das Steuer-Thema greifen wir weiter unten noch auf. Doch bis zu einer Freigrenze von 801 € (für Singles) sind Dividenden steuerfrei, wenn ihr ansonsten keine Gewinne mit Wertpapieren erwirtschaftet. Es kann durchaus sinnvoll sein mit ausschüttenden ETFs diesen Sparerpauschbetrag auszunutzen.

Die Vorteile von ausschüttenden ETFs im Überblick:

  • Regelmäßige Ausschüttungen
  • Flexible Ertragsverwendung
  • Liquiditätssteuerung
  • Diversifikation durch Erträge
  • Sparerpauschbetrag nutzen

Steuern bei thesaurierenden und ausschüttenden ETFs

Würden wir die Themen Steuern und Transaktionskosten außen vor lassen, dann ist die Frage „Thesaurierender oder ausschüttender ETF?“ eine reine Geschmacksfrage. Auf die Transaktionskosten sind wir bereits oben sowie in einem Artikel über die Kosten von ETFs eingegangen. Schauen wir uns jetzt das Thema Steuern näher ein. Vorab: Ich bin kein Steuerberater und wie viel Steuern ihr zahlen müsst, hängt von vielen Faktoren ab. Ich gebe hier nur einen groben Einblick. Bitte nutz den Service einer echten Steuerberaterin, um eure individuelle Steuerlast zu ermitteln.

Bei Kapitalerträgen habt ihr als Single im Jahr einen Freibetrag von 801 € für den keine Steuern anfallen. Bei Ehepartnern verdoppelt sich dieser sogenannte Sparerpauschbetrag auf 1.602 € pro Jahr. Habt ihr Erträge durch Ausschüttungen oder Verkäufe gemacht, die über dieser Freigrenze liegen, greift der Fiskus zu. Dieses Szenario schauen wir uns jetzt genauer an. Dabei lassen wir die Kirchensteuer außen vor.

Generell unterscheiden wir drei verschiedene Zeiten, wann Steuern bei ETFs anfallen:

  • bei Ausschüttungen
  • jährlich auf Basis der Vorabpauschale
  • beim Verkauf mit Kursgewinnen

Wenn ihr euch tiefergehend mit der Materie auseinandersetzen möchtet, empfehle ich euch diesen Artikel von Finanztip. Ich gehe hier oberflächlicher auf die wichtigsten Erkenntnisse ein.

Bevor wir näher auf die einzelnen Zeitpunkte eingehen, müssen wir uns noch die Teilfreistellung von ETFs anschauen. Da Quellensteuern bei ETFs nicht mehr anrechenbar sind, werden die Erträge von ETFs nicht zu 100 % besteuert, sondern minus einer Teilfreistellung. Dabei unterscheiden wir:

  • Aktienfonds: Aktienquote ≥ 51 % = Teilfreistellung von 30 %
  • Mischfonds: Aktienquote ≥ 25 % = Teilfreistellung von 15 %
  • Sonstige: Aktienquote < 25 % = Teilfreistellung von 0 %

Steuern bei Ausschüttungen

Das bedeutet: Ihr zahlt beispielsweise bei einem ausschüttenden ETF mit einer Aktienquote von über 51 % auf eine Dividende von 100 € nur Steuern für 70 €. Auf diese 70 € fallen dann 26,375 % (Abgeltungssteuer + Solidaritätszuschlag) an Steuern an. So bekommt ihr von einer Ausschüttung in Höhe von 100 € auf euer Verrechnungskonto 81,54 € gutgeschrieben. Diese Steuer fällt bei thesaurierenden ETFs entsprechend nicht an.

Steuer bei Ausschüttungen: Ausschüttung x (1-Teilfreistellung) x 26,375 %

Jährliche Steuern

Die jährlichen Steuern auf die Vorabpauschale fallen hingegen eher bei thesaurierenden ETFs an. Ziel dieser ist es, auf einen zukünftigen Gewinn bereits jährlich im Voraus, pauschale Steuern zu erheben. Dadurch soll eine potenzielle Steuerstundung verkleinert werden. Die Vorabpauschale wird mit Hilfe eines Basiszinses errechnet, den das Bundesfinanzamt herausgibt. Da wir uns zurzeit in einem Niedrigzinsumfeld befinden, fällt auch die Vorabpauschale, bzw. deren Besteuerung niedrig aus. Für das Jahr 2021 wäre die Steuer auf die Vorabpauschale sogar negativ und fällt deshalb gar nicht erst an.

Damit ihr euch trotzdem ein Bild machen könnt, was für eine Steuerbelastung auf euch zukommen könnte, hier die Werte für 2020. Habt ihr 10.000 € in einen thesaurierenden ETF angelegt, lagen die Steuern auf die Vorabpauschale im Jahr 2020 bei 0,90 €. Bei ausschüttenden ETFs fällt diese Steuer in der Regel nicht an. Um das zu verstehen, schauen wir uns einmal die Formeln für die Berechnung an:

Basisertrag: ETF-Wert zum 01.01. x Basiszins x (1-Teilfreistellung)

Vorabpauschale: Basisertrag – Ausschüttungen

Steuer auf Vorabpauschale: Vorabpauschale x (1-Teilfreistellung) x 26,375 %

In einem niedrigen Zinsumfeld sind eure Ausschüttungen in der Regel höher als der Basisertrag. Dadurch würde die Vorabpauschale negativ werden. Das darf sie aber nicht und wird automatisch null. Dementsprechend müsst ihr bei ausschüttenden ETFs keine Steuern auf die Vorabpauschale zahlen. Bei einem thesaurierenden ETF bekommt ihr keine Ausschüttungen auf euer Konto. Deshalb entspricht die Vorabpauschale hier dem Basisertrag. Einzige Ausnahme: Wenn der Wertzuwachs eures ETFs über ein Jahr niedriger war, als die Vorabpauschale, dann fällt die Steuer auf eure tatsächlichen Kursgewinne an – also immer auf den kleineren Wert. Übrigens zieht eure Depotbank diese Abgabe einfach von eurem Verrechnungskonto oder vom Girokonto ab, falls sie anfällt. Ihr müsst diese also nicht aktiv überweisen, aber für Deckung sorgen.

Steuern beim Verkauf

Beim Verkauf wird das Steuer-Thema dann zum Glück wieder etwas einfacher. Hier zieht ihr vom Verkaufswert eures ETFs den Kaufwert und die Vorabpauschalen der Vorjahre ab, berücksichtig die Teilfreistellung und multipliziert diesen Wert mit den 26,375 % Abgeltungssteuer inklusive Soli. Nur bei einem Gewinn fallen Steuern an.

Steuer beim Verkauf: (Verkaufswert – Einkaufswert – Vorabpauschalen) x (1-Teilfreistellung) x 26,375 %

Steuern im Vergleich

Das war ganz schön viel Theorie und man verliert leicht den Überblick, für welche Ertragsverwendungsart jetzt welche Steuern in welcher Höhe anfallen. Deswegen habe ich folgende Tabelle erstellt. Dabei vergleichen wir zwei ETFs: einen thesaurierenden mit einem ausschüttenden. Beide wurden am 01.01. für 1.000 € gekauft und werden am 31.12 desselben Jahres verkauft. Der Kurs des thesaurierenden ETFs ist in dieser Zeit um 100 € gestiegen, während der Kurs des ausschüttenden Fonds um 70 € gestiegen ist und 30 € ausgeschüttet hat. Als Basiszinssatz nehmen wir den von 2020: 0,07 %.

 Thesaurierender ETFAusschüttender ETFNutzung Freibetrag
Steuern bei Ausschüttungen0 €5,54 €0 €
Steuern auf Vorabpauschale0,09 €0 €0 €
Steuern bei Verkauf18,37 €12,92 €0 €
Gesamt18,46 €18,46 €0 €

In der Tabelle könnt ihr ganz schön sehen: Liegt ihr mit euren Kapitaleinkünften unter dem Sparerpauschbetrag, fallen für euch keine Steuern an. Außerdem fällt auf: Es macht am Ende keinen Unterschied, für welche Ertragsverwendungsart ihr euch entscheidet – ihr zahlt den gleichen Betrag an Steuern.

Doch während bei thesaurierenden Fonds ein Großteil der Steuern erst beim Verkauf anfallen, sind bei Ausschüttungen die Abgaben sofort fällig. Wollt ihr diese Erträge reinvestieren, fehlt euch also ein kleiner Beitrag. Zusammen mit den anfallenden Transaktionskosten für neue Käufe, ist es nicht erstaunlich, dass ihr mit einem thesaurierenden ETF auf den gleichen Index über eine lange Zeit im Vergleich wahrscheinlich ein höheres Vermögen aufbaut.

Ausschüttend vs. thesaurierend – Für wen ist was sinnvoll?

Damit lässt sich auch relativ gut ableiten, für wen denn jetzt welche Ertragsverwendungsart sinnvoll ist. Du möchtest regelmäßige Ausschüttungen als weiteres Einkommen? Dann sind ausschüttende ETFs wohl die beste Wahl für dich. Legst du dagegen Wert auf ein möglichst hohes Vermögen am Ende deiner Anleger-Karriere? Dann solltest du dir verschiedene thesaurierende Fonds genauer anschauen.

Wie allerdings schon erwähnt: Vor allem wenn du gerade bei null startest, kann es durchaus sinnvoll sein, mit ausschüttenden Fonds den Sparerpauschbetrag auszunutzen. Der steht dir nämlich jedes Jahr zu, aber du kannst ihn nicht addieren, wenn du ihn nicht nutzt. Lässt du ihn verfallen, hast du nicht automatisch im nächsten Jahr Erträge in doppelter Höhe steuerfrei. Das bedeutet: Nutzt du den Freibetrag mit Ausschüttungen, minderst du damit deine Steuerlast beim Verkauf desselben ETFs – weil du Erträge schon heute steuerfrei rausholst. Bei thesaurierenden Fonds nutzt du diesen Vorteil dagegen nur zu einem kleinen Teil indem du dir die Steuer auf die Vorabpauschale sparst.

Übrigens: Um 801 € an Ausschüttungen pro Jahr zu bekommen, musst du bei einem ETF mit einer 2 %igen Dividendenrendite mehr als 40.000 € investiert haben. Es dauert am Anfang also etwas, bis man sich mit einem thesaurierender Fonds beschäftigen kann.

Fazit: thesaurierend oder ausschüttend?

In diesem Artikel haben wir uns neben den Unterschieden zwischen ausschüttenden und thesaurierenden Fonds, ihre Vorteile sowie auch die steuerliche Situation angeschaut. Ob Ausschüttungen oder nicht – durch den Sparerpauschbetrag ist die Entscheidung zwischen diesen beiden Ertragsverwendungsarten nicht nur eine reine Geschmackssache. Am Ende lässt sich durch das clevere Ausnutzen dieses Freibetrages mit Ausschüttungen über die Jahre einiges an Steuern sparen. Und das ist doch etwas, was jeder von uns gern macht.

Hast du deinen Sparerpauschbetrag schon ausgenutzt oder dich trotz des kleinen Vorteils schon von Anfang an für einen thesaurierenden Fonds entschieden? Dann interessieren mich deine Entscheidungsgründe in den Kommentaren!

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1 Kommentar. Hinterlasse eine Antwort

  • Hallo,
    hier wird quasi die Gretchenfrage der beiden Unterschiedlichen Investmentstrategien beleuchtet. Aus meiner Sicht einer der schönsten und neutralsten Beiträge dazu, finde ich super.

    Ich persönlich bevorzuge die Dividendenstrategie, bin also ein Anleger, der Wert auf regelmäßige Gewinnausschüttungen in Form von Dividenden legt. Hier gehe ich aber bevorzugt in EInzelaktien, da ich der Meinung bin, dass Unternehmen mit einer klaren und verständlichen Strategie den Marktschnitt auf lange Sicht schlagen können. Zudem motiviert eine persönliche Auswahl der Investments viel stärker und man bleibt auch in Krisen seiner Strategie treu. A porpos Krisen – hier sehe ich den größten Vorteil gegenüber des Value-Ansatzes, da man hier auch weiterhin planbare Dividendenzahlungen erhält (Ausnahmen bestätigen die Regel).

    Danke für die tollen Zusammenfassung mit gutem Hintergrundwissen.

    Dir wünsche ich viel Erfolg beim Investieren!

    Viele Grüße,
    MrTott

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