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Stockdividende: Dividende wahlweise in Form von Aktien bekommen

Dividenden von Aktien werden in der Regel einfach in Form von Geld ausgeschüttet. Nicht so bei der Stockdividende. Hierbei wandelt ihr die Dividende in neue Aktienanteile des ausschüttenden Unternehmens um. Ihr bekommt also eure Dividende in Form von Aktien. Allerdings nur, wenn ihr das möchtet. Ihr habt nämlich die Wahl zwischen Auszahlung oder Umwandlung. In diesem Artikel schauen wir uns an, was wann am sinnvollsten ist und worauf ihr ansonsten bei der Aktiendividende achten solltet.

Stockdividende – Aktien wahlweise als Dividende

Was ist eine Stockdividende?

Doch fangen wir ganz vorne an: Was genau ist eine Aktiendividende? Wie der Name es schon erahnen lässt, erhaltet ihr hierbei eure Dividende in Form von neuen Aktien-Anteilen des ausschüttenden Unternehmens. Hier liegt auch schon der große Unterschied zur klassischen Bardividende, bei der ihr eure Ausschüttung in Form von Geld auf euer Konto überwiesen bekommt. Im Grunde könnte man also sagen, eine Aktie mit Stockdividende ist eine Art thesaurierende Aktie. Falls euch das Wort „thesaurierend“ noch nichts sagt, schaut mal in meinem Artikel über thesaurierende und ausschüttende ETFs nach.

Allerdings kann ein Unternehmen jederzeit selbst entscheiden, ob und wann es eine Stockdividende anbietet. Nur, weil sie einmal angeboten wurde, heißt das nicht, dass in den Folgeperioden ein Anspruch darauf besteht. In aller Regel habt ihr die Wahl und müsst euch aktiv für eine Aktiendividende entscheiden, ansonsten bekommt ihr einfach die klassische Bardividende in gleicher Höhe gutgeschrieben. Bei dieser sogenannten Wahldividende erhaltet ihr entsprechend eine Nachricht von eurem Broker. Die Stockdividende (englisch: „Stock“ = Aktie) wird auch Aktiendividende, Gratisaktie, Bonusaktie, Zusatzaktie oder Berichtigungsaktie genannt.

Stockdividende Beispiel

Schauen wir uns das Ganze einmal anhand eines konkreten Beispiels an. Nehmen wir an, ihr haltet 100 Aktien vom Unternehmen königliche holländische Muschel á 100 €. Jetzt schüttet das Unternehmen eine Dividende im Wert von 1 € je Aktie aus und stellt euch vor die Wahl: Bardividende oder Aktiendividende? Entscheidet ihr euch für die Bardividende, werden euch 100 € auf euer Konto überwiesen. Wir schauen uns hier eine Welt ohne Steuern an. Nehmt ihr stattdessen die Aktiendividende, erhaltet ihr eine neue Aktie der königlichen holländischen Muschel im Wert von 100 € in eurem Depot. Dabei ist wichtig zu erwähnen, dass der Wert eurer Dividende mindestens so hoch sein muss wie der Kurswert der Aktie. Ansonsten bekommt ihr keine Stockdividende. Natürlich könntet ihr euch von den 100 € Bardividende auch eine weitere Aktie des Unternehmens kaufen. Auf die genauen Vor- und Nachteile der verschiedenen Ausschüttungsarten gehen wir weiter unten genauer ein.

Übrigens: Warum der Name des Unternehmens so komisch gewählt ist? Tatsächlich ist Royal Dutch Shell eines der Unternehmen, die eine Stockdividende anbieten.

Wie funktioniert eine Aktiendividende?

So weit, so gut. Doch wie funktioniert das jetzt genau mit der Aktiendividende? Wo kommen denn auf einmal die auszuschüttenden Aktien her? Die kann ein Unternehmen ja nicht einfach so aus dem Hut zaubern. Dafür gibt es zwei Möglichkeiten:

  1.  Aktien aus einer Kapitalerhöhung per Bezugsrecht
  2.  Aktien werden aus dem eigenen Bestand zur Verfügung gestellt

Der Weg der Aktien in euer Depot

Bei der ersten Möglichkeit erhaltet ihr für jede Aktie, die ihr bereits besitzt, ein Bezugsrecht. Das ausschüttende Unternehmen gibt dann ein Bezugsverhältnis vor, zu welchem die Bezugsrechte gegen eine neue Aktie getauscht werden können. Bei einem Verhältnis von 50:1 benötigt ihr beispielsweise 50 Aktien mit Bezugsrecht, um diese gegen eine neue Aktie eintauschen zu können. Habt ihr weniger als 50 Bezugsrechte, könnt ihr diese auch liquidieren und erhaltet Geld.

Bei der zweiten Möglichkeit läuft das Prozedere wie folgt ab: Ihr erhaltet die Dividende bar auf eurem Verrechnungskonto und kauft dann automatisch so viele ganze Aktien bei dem ausschüttenden Unternehmen, wie mit dem Wert der Dividende möglich sind. Das geschieht häufig zu einem rabattierten Ausgabepreis. Um die ganze Abwicklung kümmert sich euer Broker. Auch hier gilt: Bruchstücke werden liquidiert.

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Warum bieten Unternehmen eine Stockdividende an?

Jetzt stellt sich natürlich die Frage: Warum bieten Unternehmen überhaupt eine Stockdividende an? Zum einen müssen die Unternehmen im Fall einer Aktiendividende kein Cash ausschütten. Das heißt, dass in diesem Fall kein Geld das Unternehmen verlässt. Zum anderen wird durch die Ausgabe neuer Aktien auch eine Kapitalerhöhung durchgeführt, wodurch das Eigenkapital des Unternehmens ansteigt. Bei Vonovia hat das in 2021 z.B. zu folgendem Ergebnis geführt:

„Innerhalb der Bezugsfrist hat sich jetzt rund die Hälfte der Aktionärinnen und Aktionäre mit insgesamt 49,18 % der dividendenberechtigten Aktien für eine Ausschüttung in Form neuer Unternehmensanteile entschieden. Dadurch verbleiben rund 470 Mio. € im Unternehmen. Es werden 9.370.028 neue Aktien ausgegeben. Mit dem Eintrag in das Handelsregister wird die Gesamtanzahl der Vonovia Aktien auf 575.257.327 Aktien steigen (+ 1,65 % Kapitalerhöhung).“

Allerdings erhöhen sich durch die Ausgabe der Anteilsscheine die Zahlungsansprüche in der Zukunft. Mehr ausgegebene Aktien bedeuten auch mehr Anteile, die in der nächsten Periode eine Dividende haben möchten.

Welche Gebühren fallen bei der Stockdividende an?

Nun wissen wir, was eine Aktiendividende ist und warum Unternehmen sie anbieten. Doch was kostet uns das Ganze, wenn wir uns dafür entscheiden? Zuallererst müsst ihr eurem Broker mitteilen, ob ihr euch für die Stockdividende oder die klassische Bardividende entscheidet. Daraus leiten sich dann die Kosten ab, die auf euch zukommen. Diese sind von Broker zu Broker komplett unterschiedlich und leider auch nicht besonders verständlich aufgelistet.

Für ein Beispiel nehme ich einmal die Kostenstruktur von Trade Republic. Hier kostet die aktive Entscheidung (Standardweisung) für die Bardividende 1€. Habt ihr euch dagegen aktiv für die Stockdividende entschieden (spezifische Weisung), fallen pauschal 5€ an. Bei anderen Banken können diese Pauschalen auch gern mal höher, Prozentanteile oder die Standard-Kaufgebühren sein. Hieran könnt ihr schon sehen, dass sich die Aktiendividende erst für größere Beträge lohnt.

Kleiner Tipp: Wenn ihr euch für die Bardividende entscheidet, müsst ihr eurem Broker diese Entscheidung in der Regel nicht aktiv mitteilen. Die meisten Broker haben in ihrem Schreiben einen Passus, wie: „Bitte teilen Sie uns Ihre Weisung mit, ansonsten werden wir die Bardividende automatisch gutschreiben“. Dann würde in meinem Beispiel bei Trade Republic auch der 1€ für die Standardweisung nicht anfallen.

Besteuerung der Stockdividende

Zu den Broker-Gebühren fallen natürlich noch Steuern an. Anders als bei thesaurierenden ETFs fällt bei Dividenden in Form von Aktien sofort die Kapitalertragssteuer an. In einem anderen Artikel von mir findet ihr übrigens alle Kosten von ETFs.

Allerdings sind die Stockdividenden in der Regel von der Quellensteuer befreit. Stimmt ihr also für eine Gratisaktie bei einem ausländischen Unternehmen, fällt diese Steuer nicht an. Oft lässt sich eine gezahlte Quellensteuer bei klassischen Bardividenden auch ganz oder teilweise zurückholen – allerdings mit nicht unerheblichem Aufwand.

Dividende wahlweise in Form von Aktien oder Geld – was ist wann sinnvoll?

Wenn wir uns die Vorteile der Stockdividende gegenüber der Bardividende anschauen wollen, müssen wir dies aus zwei Betrachtungswinkeln machen: aus Sicht des Unternehmens und der des Shareholders. Warum Unternehmen eine Dividende in Form von Aktien anbieten, haben wir uns oben schon angeschaut.

Auch aus Sicht von uns Shareholdern kann eine Gratisaktie durchaus sinnvoll sein. Zum einen profitiert ihr von eventuellen Steuervorteilen, weil beispielsweise die Quellensteuer nicht anfällt. Zum anderen wird eure Dividende automatisch wieder angelegt und ihr müsst euch um nichts kümmern. Meist werden die Stockdividenden auch zu einem reduzierten Ausgabepreis angeboten, sodass ihr günstiger an neue Anteile kommt als sonst am Markt.

Allerdings können gerade beim letzten Punkt die Gebühren eures Brokers den schwarzen Peter spielen. Bei Trade Republic wäre das Kaufen von neuen Aktien an der Börse beispielsweise günstiger, als über die Stockdividende. Hier müsstet ihr also schauen, ob der Abschlag auf den Preis höher ist als die aufgerufenen Gebühren. Generell fährt man gerade bei kleineren Positionen besser mit einer Bardividende. Und natürlich habt ihr mit Cash in die Täsch die freie Wahl, was ihr mit diesem Geld anstellen mögt.

Welche Unternehmen zahlen Stockdividende?

Ich selbst musste erst ein paar Jahre am Kapitalmarkt aktiv sein, um überhaupt auf eine Stockdividende zu treffen. Ähnlich mag es dem ein oder anderen von euch gehen. Unternehmen, die eine Dividende in Form von Aktien anbieten, sind nämlich nicht besonders häufig. Dazu bieten sie die Wahldividende durchaus nicht immer an. Ein Unternehmen, welches dieses Jahr seinen Aktionären diese Wahlmöglichkeit eingeräumt hat, muss das nicht auch automatisch im nächsten Jahr tun. Es wird nämlich auf der Hauptversammlung über diese Möglichkeit abgestimmt. Dementsprechend schwierig ist es, eine Liste von Unternehmen zu finden, die eine Stockdividende zahlen. Ich habe euch die prominentesten herausgesucht, die in der Vergangenheit öfters eine Aktiendividende angeboten haben.

Liste: Aktien mit Stockdividende

  • Royal Dutch Shell
  • Vonovia
  • Telefonica
  • BP
  • Rolls-Royce
  • Grand City Properties
  • Barclays
  • HSBC

Bei einigen Unternehmen kann man schon auf der Webseite lesen, dass sie das Programm aktuell nicht weiterführen. Aber vielleicht lohnt sich immer mal wieder ein Blick. Am einfachsten findet ihr die Unternehmen übrigens, wenn ihr nach „scrip dividend“ googelt.

Fazit: Stockdividende

Am Ende lässt sich festhalten, dass eine Stockdividende eine schöne Sache ist, sich aber nicht für jeden lohnt. Persönlich finde ich es immer gut die Wahl zu haben. Allerdings verderben die hohen Broker-Gebühren für die Reinvestition von vor allem kleinen Beträgen ein bisschen den Spaß. Auch nicht zu unterschätzen ist die kleine Verwässerung der Stimmanteile durch eine eventuelle Kapitalerhöhung, die nötig ist, um weitere Aktien auszugeben.

Habt ihr schon Erfahrungen mit einer Aktiendividende oder fehlt euch noch etwas im Artikel? Dann schreibt es gern in die Kommentare!

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