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Wahltarife der Krankenkassen: Bis zu 900€ im Jahr sparen!

Wer in Deutschland angestellt tätig ist und unter der Versicherungspflichtgrenze verdient, der kann nur durch einen Wechsel Geld bei seiner Krankenversicherung sparen? So dachte ich zumindest bis vor Kurzem auch. Dann stieß ich auf die Wahltarife, die Krankenkassen seit der Gesundheitsreform 2007 anbieten müssen. Mit den Wahltarifen lassen sich bei bestehenden Verträgen bis zu 900 Euro im Jahr sparen. In diesem Artikel schauen wir uns an, welche Tarife es gibt und für wen sich eine Entscheidung dafür lohnen kann!

Wahltarife der Krankenkassen

Was sind Wahltarife der Krankenkassen?

Bei einem Wahltarif habt ihr die Möglichkeit, euch für oder eben gegen bestimmte Leistungen euerer Krankenkasse zu entscheiden. Je nachdem, welche Art ihr wählt, könnt ihr jährlich bis zu 900 Euro gegenüber eurem normalen Tarif sparen. Dabei reden wir hier nicht von Bonus-Programmen, wodurch sich jährlich ein paar Euro zurückholen lassen, sondern um richtige Tarife, die das Leistungsspektrum euerer Krankenkasse betreffen. Deswegen sollte eine Entscheidung für so einen Tarif nicht leichtsinnig getroffen werden. Mit der Wahl kommen auch entsprechende Pflichten auf euch zu.

Welche Wahltarife gibt es?

Generell gibt es zwei grobe Arten von Wahltarifen der Krankenkassen. Nämlich solche, die sie anbieten müssen und solche, die Versicherungen freiwillig offerieren. Etwas formeller ausgedrückt und mit allen wichtigen Paragrafen findet ihr die Informationen dazu auch beim Bundesgesundheitsministerium.

Wahltarife, die anzubieten sind

Durch die Gesundheitsreform von 2007 sind Krankenkassen dazu verpflichtet, euch einige Wahltarife anbieten zu müssen. Dementsprechend solltet ihr diese auch bei euerer Krankenkasse finden können. Bei meiner Stichprobe war es allerdings fast unmöglich, über die normalen Menüs zu den Wahltarifen zu kommen. Wenn ihr nicht wisst, dass es diese gibt, ist es sehr schwer, sie direkt auf den Online-Präsenzen der Krankenversicherungen zu finden.

Hausarzt-Tarif

Bei speziellen Hausarzt-Tarifen willigt ihr ein, bei Beschwerden erst zu eurem Hausarzt zu gehen, der euch dann zu einem Facharzt überweist. Dabei muss euer Hausarzt explizit an dem Tarif teilnehmen und das solltet ihr vorher klären. Anreize von den Krankenkassen können kleine Boni oder das Wegfallen von Zuzahlungen sein. Nachteil ist, dass eure Fachärzte-Auswahl eingeschränkt ist.

Tarife für besondere Behandlungsformen (DMP)

Kleine Prämien oder das Entfallen von Zuzahlungen können auch Anreize für die Entscheidung zu einem sogenannten Disease-Management-Programme (DMP) sein. Daran können Menschen mit chronischen Erkrankungen wie Asthma oder Diabetes teilnehmen und verpflichten sich zur Teilnahme an strukturierten Behandlungsprogrammen. Diese beinhalten regelmäßige Kontrolltermine sowie Schulungen.

Krankengeld

Erst seit 2009 müssen Krankenkassen einen Tarif für Krankengeld anbieten. Dieser Wahltarif richtet sich an Selbstständige, Freiberufler und sonstige Versicherte, die keinen Anspruch auf Entgeltfortzahlung haben, wenn sie krankheitsbedingt ausfallen. Zählt ihr zu dieser Gruppe, könnt ihr bei diesem Wahltarif kein Geld sparen, sondern zahlt eine Art Extrabeitrag, um euch abzusichern.

Freiwillige Wahltarife der Krankenversicherungen

Zusätzlich zu den Wahltarifen, die eure Krankenversicherungen anbieten müssen, gibt es auch Tarife, die freiwillig angeboten werden. Hier lässt sich oft mehr Geld sparen als bei den Pflicht-Tarifen. Generell darf eine Erstattung für einen Tarif nicht höher als 20% euerer jährlichen Krankenkassen-Beiträge sein und maximal 600 Euro betragen. Kombiniert ihr mehrere Tarife, erhöhen sich die Grenzen auf 30% und einer maximalen Rückzahlung von 900 Euro im Jahr! Das sind dann sogenannte Kombinationstarife. Wie viel ihr erstattet bekommt, hängt von euerer Krankenversicherung und dem gewählten Tarif bzw. den gewählten Tarifen ab. Auch Laufzeiten oder sonstige Bedingungen wie Mindestbindungsfristen variieren zwischen den Versicherungen.

Selbstbehalt: Wahltarife der Krankenkassen

Solltet ihr in einem Jahr keine oder nur wenige Leistungen der Krankenversicherung in Anspruch nehmen wollen, dann kann der freiwillige Wahltarif des Selbstbehalts etwas für euch sein. Wenn ihr nicht oder nur für bestimmte Vorsorgeuntersuchungen zum Arzt geht, spart die Krankenkasse Geld, die sie an euch in Form einer Prämie weitergeben kann. Ihr müsst euch aber im Vorhinein für so einen Tarif entschieden haben.

Solltet ihr wider Erwarten Kassenleistungen in einem Jahr doch benötigen, kommt ein sogenannter Selbstbehalt auf euch zu. Das bedeutet: Ihr müsst euch bis zu einem bestimmten Betrag an den Kosten für die Leistungen beteiligen. Das finanzielle Risiko ist dabei in der Regel im Vorhinein festgelegt und begrenzt.

Prämienzahlung bei Nichtinanspruchnahmen

In ähnlicher Weise funktioniert die Beitragsrückerstattung oder auch Prämienzahlung bei Nichtinanspruchnahme. Auch hier wisst ihr im Voraus, welche Leistungen ihr nicht in Anspruch nehmen möchtet. Bei Nichtinanspruchnahme bekommt ihr dann am Ende des Jahres eine Erstattung. Diese beträgt allerdings maximal einen Monatsbeitrag für eure Krankenkasse pro Jahr.

Im Unterschied zum Selbstbehalt entfällt bei diesem Wahltarif nur eure Prämie, wenn ihr eine Kassenleistung doch benötigen solltet. Diese wird weiterhin komplett von der Krankenkasse gezahlt. Ihr habt also keinen Selbstbehalt, dafür ist eure Prämie aber auch geringer.

Wahltarif Leistungsverzicht

Bei einigen Krankenkassen könnt ihr außerdem wählen, auf welche Leistungen ihr verzichten möchtet. Dabei bemisst sich die Höhe der Prämie danach, wie viele und welche Leistungen ihr nicht in Anspruch nehmen wollt. Unter den möglichen abzuwählenden Kassenleistungen befinden sich allerdings keine essenziellen Versorgungen. Abwählen lassen sich zum Beispiel künstliche Befruchtungen oder alternative Heilmittel.

Wenn in einem Jahr dann doch etwas Unvorhergesehenes passiert und ihr eine Leistung in Anspruch nehmen wollt, dann kommt auch hier ein Selbstbehalt auf euch zu. In diesem Fall müsst ihr euch bis zu einem bestimmten Beitrag an den Kosten beteiligen.

Kostenerstattungstarif

Als gesetzlich Versicherter sich einmal wie ein Privatversicherter fühlen? Das geht mit dem Kostenerstattungstarif! Allerdings ist das nicht unbedingt auf das Leistungsspektrum bezogen, sondern wie Rechnungen von Ärzten bezahlt werden. Bei diesem Tarif rechnet die Ärztin mit euch ab und ihr müsst euch das Geld dann von euerer Krankenkasse wiederholen.

Bitte beachtet: Durch das Selbstzahlen greifen oft die Vergütungsregeln für Privatpatienten, die höher sind und ihr müsst genau schauen, welche und wie viel der Kosten eure Krankenversicherung übernimmt. Hier ist ein genauer Blick in das Leistungsangebot wichtig. Gegen einen Aufpreis bieten einige Krankenkassen an, auch diese höheren Kosten zu übernehmen. Als Versicherter profitiert ihr dann beispielsweise von schnelleren Terminen oder der Behandlung von Ärzten ohne Kassenzulassung – ähnlich der Vorteile eines Privatpatienten. Dadurch kommt ihr in der Regel günstiger an vermeintlich bessere Behandlungen, als würdet ihr diese komplett privat zahlen.

Arzneimittel besonderer Therapierichtungen

Auch bei den freiwilligen Wahltarifen gibt es einen, bei dem ihr kein Geld zurückbekommt, sondern ihr euch für eine Beitragserhöhung entscheidet. Das ist der Fall für Arzneimittel der besonderen Therapierichtungen. Dabei erhöht sich euer Beitrag und im Gegenzug erstattet eure Krankenkasse Kosten für beispielsweise alternative Heilmethoden oder bestimmte Arzneimittel. Allerdings geschieht dies nur bis zu einer jährlichen Höchstgrenze und ihr solltet schauen, ob sich die Beitragserhöhung wirklich für euch lohnt.

Wie viel Ersparnis ist mit Wahltarifen drin?

Wie viel ihr am Ende mit der Entscheidung für einen Wahltarif einsparen könnt, hängt von verschiedenen Faktoren ab. Zum einen bemisst sich die Ersparnis daran, welche/n Tarif/e ihr wählt und ob sich diese miteinander kombinieren lassen. Generell lässt sich sagen: Auf je mehr Leistungen ihr verzichtet, desto mehr könnt ihr in der Regel erstattet bekommen.

Zum anderen hängt die Höhe der Erstattungen oft auch von eurem Gehalt ab. Auch hier gilt: Je höher euer Gehalt und damit auch euer Krankenkassenbeitrag ist, desto höher fällt in der Regel eine Rückzahlung aus.

Ein weiterer Faktor ist natürlich auch, bei welcher Krankenkasse ihr seid. Die Erstattungen sind zwar in der Höhe nach oben gedeckelt, darunter haben die Versicherungen aber freien Gestaltungsraum.

Nach meiner Recherche könnt ihr am meisten mit einem Selbstbehalttarif sparen. Hier könnt ihr, je nach Krankenkasse und Gehalt, bis zu 600 Euro erstattet bekommen. Kombiniert ihr diesen noch mit einer Beitragsrückerstattung, sind sogar 900 Euro Jahr für Jahr drin! Da freut sich das Haushaltsbuch am Ende des Jahres.

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Für wen lohnt sich welcher Tarif?

Bei der Frage, für wen sich welcher Tarif lohnt, schauen wir uns nur die an, bei denen wir etwas sparen können. Beim Krankengeld, bestimmten Arzneimitteln und strukturierten Behandlungsprogrammen solltet ihr eh lieber auf einen Experten hören.

Wenn ihr mit eurem Hausarzt zufrieden seid und ihn vielleicht sowieso immer als Erstes bei Wehwehchen fragt, dann kann der Hausarzttarif ein Blick für euch wert sein.

Habt ihr ein gutes finanzielles Polster und seid ein Freund von Privatbehandlungen? Dann kann die Kostenerstattung etwas für euch sein. In einer Art gebt ihr euerer Krankenkasse einen Kredit für eine kurze Zeit. Zusammen mit einem kleinen Beitragsaufschlag belohnen die Krankenkassen dies oft mit höheren Kostenerstattungen, als sie normalerweise übernehmen würden.

Bei den übrigen drei Tarifen geht ihr eine Art Wette auf eure Gesundheit ein. Beim Leistungsverzicht, dem Selbstbehalt, wie auch bei der Beitragsrückerstattung holt ihr am meisten raus, wenn ihr gesund bleibt. Doch das lässt sich nicht unbedingt immer beeinflussen. Solltet ihr vorher abgestimmte Leistungen nicht benötigen, bekommt ihr eine Prämie. Nehmt ihr hingegen eine der Kassenleistungen an, entfällt die Prämie oder ihr müsst teilweise selbst dafür aufkommen. Für gesunde, risikofreudige Versicherte bietet sich für eine maximale Ersparnis der Selbstbehalt an, etwas konventioneller fährt man mit der Beitragsrückerstattung oder dem Leistungsverzicht.

Fazit – Wahltarife der Krankenkassen

In diesem Artikel haben wir uns angeschaut, was Wahltarife der Krankenkassen sind, welche es gibt und für wen sie sinnvoll sind. Dabei variieren die Angebote und Prämienhöhen von Krankenversicherung zu Krankenversicherung. Ob ein Wahltarif für euch die richtige Entscheidung ist, das müsst ihr am Ende selbst entscheiden. Auch ich habe mich noch nicht dafür oder dagegen entschieden.

Der Vorteil ist ganz klar: Ihr könnt bares Geld sparen und zwar am meisten, wenn ihr gesund bleibt. Doch das haben wir oft nicht selbst in der Hand. Dagegen stehen auch ein paar Nachteile. Meist müsst ihr euch länger an eure Krankenkasse binden oder es besteht bei machen Tarifen die Gefahr, dass ihr am Ende mehr zahlt, als wenn ihr euch nicht dafür entschieden hättet. Auch besteht die Verlockung, seine Gesundheit auf die lange Bank zu schieben, um doch noch die Jahresprämie mitzunehmen. Spätestens hier wird Geldsparen dann gefährlich.

Deswegen sollte eine Entscheidung für oder auch gegen einen Wahltarif gut überlegt sein und nicht von jetzt auf gleich getroffen werden.

Habt ihr euch schon für einen Wahltarif entschieden und wie sind eure Erfahrungen? Schreibt es in die Kommentare!

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1 Kommentar. Hinterlasse eine Antwort

  • Ein Kostenerstattungstarif lohnt sich insbesonders in Kombination mit einer privaten Zusatzversicherung. Dann wird man nämlich tatsächlich ambulant wie ein Privatpatienten behandelt, ohne das oben erwähnte Kostenrisiko (das deckt dann die Zusatzversicherung).

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